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Aus Alternativ-Grammatik
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2.21 Plakatüberschrift - alternative Sicht eines A-G-Lesers

Bei der Plakatüberschrift "Klinikseelsorge - mehr als du glaubst" kann man aber – analytisch – auch zu anderen Analyse-Ergebnissen/Interpretationen kommen. Und zwar dann, wenn man die Worte „mehr“ und „glaubst“ eben nicht wörtlich „versteht“ in ihrer Grundform „glauben“ – die steht hier nämlich nicht: das Verb ist konjugiert. Das Wortspiel greift hier etwas anderes als „glauben“ im theologischen Sinn auf. Was die Aussage des unvollständigen Satzes und seine Intention betrifft, ist hier nachzuprüfen.

  1. Es fehlt das Verb des Prädikativs: „ist“ / „stellt mehr dar“ / bzw. das Verb des Prädikats: „bietet mehr“ o.ä.
  2. oben könnte statt „glaubst“ auch „denkst“ stehen: in dieser Bedeutung kann man den Ausdruck „glaubst“ als der Seelsorge „näheres“ Ersatzwort für blasseres „annimmst“ = „vermutest“ = „fälschlicherweise urteilst“ verstehen. Anders betrachtet, kann man konstatieren, dass
  3. elliptisch-rhetorisch offengelassen wird, wer oder was an „mehr“ denn dahinter stecke: das soll wohl plakativ neugierig machen auf angekündigtes „hinter / in der Klinikseelsorge steckt mehr Aufwand und Nutzen, als du glaubst/weißt/annimmst/ ahnst“. Diese explizite Form wirkt aber vermutlich „lehrerhaft“, belehrend, langweilig, bestenfalls verdächtig: Werbung und PR as usual. Vor allem, wenn sich diese werbige Einleitung später als hohles VerSprechen herausstellt. Dann ist der Kritikpunkt nicht an „glauben“, sondern an der Diskrepanz zwischen „Anspruch-Thesen“ vs. „Realität“ festzumachen. Mir scheint, der Singular-Ausdruck „(die) wörtliche“ Bedeutung ist zu kurz gegriffen. Denn meist handelt es sich doch um eine „übliche“, „gebräuchliche“ oder naheliegende Bedeutung von mehreren, die man zunächst heranzieht. (J.G.)